Der lang ersehnte erste Grand-Slam-Titel ist gewonnen — doch die Freude währte nur kurz. Nach seinem Sieg bei den French Open wurde Alexander Zverev in einem Gespräch mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Das Ergebnis: ein abruptes Interviewende und ein neuer Eklat, der den Triumph des 29-Jährigen überschattet.
Wie es zum Eklat kam
Alexander Zverev hat ein Interview mit der renommierten Sportzeitung L’Équipe in Frankreich abgebrochen, nachdem er zu den Vorwürfen der häuslicher Gewalt gegen seine Person befragt wurde. Wie die Zeitung selbst berichtet, endete das Gespräch, das offenbar während einer Autofahrt geführt wurde, mit „eisiger Stille“.
Zverev und seine Begleiter befanden sich auf dem Weg zu einem Fotoshooting, währenddessen ergab sich offenbar zunächst ein ebenso interessantes wie entspanntes Interview. Dann wurde der deutsche Tennisstar auf einen Vorfall bei den Australian Open im vergangenen Jahr angesprochen.
Eine Zuschauerin hatte während einer Zverev-Partie gerufen: „Australien glaubt Olga und Brenda“. Damit waren die Vorwürfe zweier Ex-Partnerinnen gemeint, die seit Jahren einen Schatten auf Zverevs Karriere werfen.
Zverevs Reaktion: Unterbrechung und eisiges Schweigen
Als der „L’Equipe“-Journalist in der Folge ein weiteres Mal in der Thematik ansetzte, wurde er durch Zverev unterbrochen. „Moment, zunächst mal ist es nicht diese Art von Interview. Und außerdem weißt du, dass die Anschuldigungen für falsch befunden wurden?“, so der Deutsche.
Der Journalist erklärte daraufhin, es gehe ihm weniger um die Vorwürfe selbst als um den Umgang damit. „L’Équipe“ hatte einen Tag zuvor einen Artikel mit dem Titel „Zverev siegt: Eine Krönung, die die Vorwürfe der häuslichen Gewalt nicht verbirgt“ veröffentlicht. Anschließend wurde Zverev gefragt, ob er es als unfair empfinde, dass Medien weiterhin über die Vorwürfe berichten.
Zu diesem Zeitpunkt soll ein Berater des Tennisprofis eingeschritten sein. Zverev sagte noch: „Es ist nicht meine Entscheidung. Ich habe alles getan, was ich konnte und meine Unschuld wurde bewiesen.“
Das Gespräch endete abrupt – mit einem Seufzer des 29-Jährigen und anschließender Stille im Fahrzeug.
Der Hintergrund: Vorwürfe und Strafbefehl
Im Fall seiner früheren Partnerin Brenda Patea war 2023 ein Strafbefehl gegen Zverev erlassen worden. Für Zverev gilt in beiden Fällen die Unschuldsvermutung.
Die Vorwürfe häuslicher Gewalt, die von zwei Ex-Partnerinnen erhoben wurden, verfolgen Zverev seit Jahren — ungeachtet seiner sportlichen Erfolge. Der Triumph bei Roland Garros 2026 hat die Debatte nicht beendet, sondern neu entfacht.
L’Équipe setzt Zeichen: Kein Titelbild für den Champion
Die „L’Équipe“ hatte am Montag darauf verzichtet, Zverev ins Zentrum der Titelseite seiner gedruckten Ausgabe zu rücken. Dort war in den vergangenen Jahrzehnten stets der triumphierende Champion in überwältigender Größe zu sehen. Diesmal fand sich Zverev oben links als Miniatur auf dem Cover wieder. Im Mittelpunkt: Die Handballerinnen aus Metz nach ihrem Champions-League-Sieg.
Die „L’Équipe“ fragte sich selbst: „Hätte man den deutschen Champion wie jeden anderen Grand-Slam-Sieger behandeln und die Schatten, die ihn seit den Anschuldigungen zweier Ex-Partnerinnen wegen häuslicher Gewalt umgeben, diskret ausblenden sollen?“ Eine eindeutige Antwort gab die Zeitung durch ihre redaktionelle Entscheidung selbst.
Der sportliche Triumph bleibt — der Schatten auch
Alexander Zverev hat mit dem Sieg bei den French Open 2026 einen Meilenstein seiner Karriere erreicht. Der erste Grand-Slam-Titel nach jahrelangen Versuchen ist eine historische Leistung. Doch der Eklat mit L’Équipe zeigt: Die öffentliche Diskussion um seine Person ist mit dem Pokal nicht verstummt.
Wie der Tennisstar mit diesem Spannungsfeld zwischen sportlichem Ruhm und medialer Konfrontation umgehen wird — das bleibt eine der meistdiskutierten Fragen rund um Zverev in den kommenden Wochen.

