Ein winziges Piktogramm auf der Reifenflanke entscheidet inzwischen darüber, ob ein Satz Räder im Winter legal ist: das Alpine-Symbol. Viele Autofahrer haben das Zeichen jahrelang übersehen, weil der Schriftzug „M+S“ genügte. Diese Zeit ist vorbei, und wer alte Reifen weiterfährt, riskiert mehr als nur ein Verwarngeld.
Woran Sie das Alpine-Symbol erkennen
Gesucht wird ein kleines Bergpiktogramm mit drei Gipfeln und einer Schneeflocke im Inneren. In der Fachsprache heißt es 3PMSF, abgeleitet von „Three Peak Mountain Snow Flake“. Es sitzt auf der Seitenwand des Reifens, oft in der Nähe der Größenangabe oder der DOT-Nummer, und ist selten größer als ein Daumennagel. Wer bei schlechtem Licht sucht, sollte die Taschenlampe des Smartphones nutzen und den Reifen einmal langsam umrunden, denn das Zeichen ist nicht auf beiden Flanken zwingend an derselben Stelle. Erscheint stattdessen nur „M+S“, handelt es sich um die ältere Kennzeichnung.
Warum M+S allein nicht mehr genügt
Der Buchstabenzusatz „M+S“ steht für Matsch und Schnee. Er war nie an ein Prüfverfahren gebunden: Hersteller durften ihn eigenverantwortlich vergeben, ein genormter Test dahinter fehlte. Genau das war der Grund für die Reform. Der Bundesrat stimmte bereits 2017 einer Verordnung zu, nach der neue Winterreifen das Bergpiktogramm tragen müssen. Für ältere M+S-Modelle, die bis Ende 2017 produziert wurden, galt eine lange Übergangsfrist – sie endete am 30. September 2024. Seither sind solche Reifen bei winterlichen Verhältnissen schlicht nicht mehr zugelassen.
Was hinter dem Prüfsiegel steckt
Ein Reifen darf das Zeichen nur führen, wenn er einen Bremstest auf Schnee nach der UN-ECE-Regelung 117 bestanden hat. Gemessen wird der Grip im Vergleich zu einem Referenzreifen. Das Siegel sagt damit etwas über die Mindestleistung auf Schnee aus, aber wenig über Verhalten auf Eis, nasser Fahrbahn oder bei Aquaplaning. Gute Winterreifen unterscheiden sich untereinander deutlich – das Piktogramm ist eine Eintrittskarte, kein Qualitätsurteil. Wer Wert auf Sicherheit legt, orientiert sich zusätzlich an unabhängigen Tests und an der Gummimischung, die bei tiefen Temperaturen elastisch bleiben muss.
Bußgelder und Haftung bei fehlendem Zeichen
Wer bei Glatteis oder Schneematsch mit Reifen ohne das geforderte Piktogramm unterwegs ist, zahlt mindestens 60 Euro und erhält einen Punkt in Flensburg. Mit Behinderung werden 80 Euro fällig, bei einer Gefährdung 100 Euro und nach einem Unfall 120 Euro. Der Fahrzeughalter kann mit 75 Euro zusätzlich belangt werden. Schwerer wiegt der versicherungsrechtliche Aspekt: Bei einem Schaden kann die Vollkasko wegen grober Fahrlässigkeit kürzen. Die Grundlagen dazu erklärt der Überblick zur Winterreifenpflicht in Deutschland.
Ganzjahresreifen und Allwettermodelle
Für Ganzjahresreifen gilt exakt dieselbe Anforderung. Sie erfüllen die winterliche Bereifungspflicht nur mit Bergpiktogramm, ansonsten zählen sie als Sommerreifen. Praktisch bedeutet das: Beim Kauf lohnt der Blick auf die Flanke im Laden, nicht erst beim ersten Schneefall. Ob sich der Kompromiss überhaupt rechnet, hängt von Fahrleistung und Region ab – dazu mehr im Text über Ganzjahresreifen im Alltag.
Alte Reifen prüfen statt entsorgen
Bevor ein Satz in den Müll wandert, lohnt eine kurze Bestandsaufnahme: Piktogramm vorhanden, Profil über vier Millimeter, DOT-Nummer nicht älter als etwa sechs Jahre, keine Risse in der Flanke. Fällt einer dieser Punkte durch, ist Ersatz sinnvoll. Reifen ohne das Zeichen dürfen im Sommer weiter gefahren werden, sofern sie technisch in Ordnung sind – nur eben nicht bei winterlicher Witterung. Wer den Wechseltermin plant, findet in unserem Beitrag zum Reifenwechsel Preisspannen und Checklisten.
Alpine-Symbol und EU-Reifenlabel sind zwei verschiedene Dinge
Häufig verwechselt werden das Bergpiktogramm und das EU-Reifenlabel, das seit 2012 an jedem Neureifen klebt. Das Label bewertet drei Eigenschaften in Klassen: die Kraftstoffeffizienz über den Rollwiderstand, die Nasshaftung und das externe Rollgeräusch in Dezibel. Seit 2021 kann es zusätzlich Piktogramme für Schnee- und Eisgriffigkeit enthalten. Über die Wintertauglichkeit im rechtlichen Sinn sagt das Label jedoch nichts aus – maßgeblich bleibt allein das Zeichen auf der Flanke. Wer beim Kauf beides prüft, bekommt einen Reifen, der zugleich zulässig und im Alltag sparsam ist. Besonders die Klasse für Nasshaftung verdient Aufmerksamkeit, denn ein großer Teil der winterlichen Unfälle passiert nicht auf Schnee, sondern auf nasser oder überfrorener Fahrbahn.
Häufige Fragen
Ist das Alpine-Symbol für alle Fahrzeuge Pflicht?
Für Pkw und Motorräder gilt die Anforderung bei winterlichen Verhältnissen uneingeschränkt. Bei schweren Nutzfahrzeugen kommen zusätzliche Vorgaben für die Lenkachse hinzu.
Muss ich alle vier Räder umrüsten?
Ja. Eine gemischte Bereifung ist im Winter weder zulässig noch sinnvoll, weil das Fahrverhalten unberechenbar wird.
Gilt das Zeichen auch im Ausland?
Das Piktogramm ist europaweit genormt und wird in den meisten Nachbarländern anerkannt. Zusätzliche nationale Vorgaben zu Profiltiefe oder Zeiträumen bleiben davon unberührt.

