Ein Tag in der Sonne klingt herrlich — doch zu viel Hitze kann dem Körper ernsthaft schaden. Sonnenstich und Hitzschlag werden im Alltag häufig synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Krankheitsbilder mit unterschiedlichem Gefährdungsgrad. Die Unterscheidung ist nicht nur akademisch: Allein 2023 und 2024 starben in Deutschland jeweils rund 3.000 Menschen an den Folgen von Hitze, vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Doch auch junge, vermeintlich fitte Menschen sollten die Risiken nicht unterschätzen.
Was ist ein Sonnenstich?
Ein Sonnenstich entsteht durch intensive, länger andauernde Sonneneinstrahlung direkt auf den unbedeckten Kopf, Hals oder Nacken. Gehirn und Hirnhäute reagieren darauf gereizt, was eine lokale Entzündungsreaktion auslöst. Typische Anzeichen sind:
- pochende oder stechende Kopfschmerzen, oft im Bereich von Stirn und Hinterkopf
- ein heißer, geröteter Kopf bei meist normaler oder nur leicht erhöhter Körpertemperatur
- Übelkeit, Schwindel und ein wackliges Gefühl
- Nackenschmerzen oder ein steifer Nacken
- innere Unruhe und Erschöpfung
Anders als beim Hitzschlag bleibt beim Sonnenstich der übrige Körper meist eher kühl — betroffen ist vor allem der Kopfbereich.
Was ist ein Hitzschlag?
Ein Hitzschlag ist medizinisch eine deutlich ernstere Angelegenheit: Hier ist nicht nur der Kopf, sondern der gesamte Körper betroffen. Die Körperkerntemperatur kann auf über 40 Grad Celsius ansteigen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Kinder, da ihr Körper Temperaturschwankungen schlechter regulieren kann. Typische Symptome sind:
- ein Körper, der sich von innen überhitzt anfühlt, häufig ohne dass stark geschwitzt wird
- heiße, trockene Haut, da die Schweißproduktion zum Erliegen kommt
- starke Kopfschmerzen und Benommenheit
- Übelkeit und Erbrechen
- schneller Puls und flache Atmung
- im fortgeschrittenen Stadium: Krämpfe und Bewusstseinsstörungen
Ein wichtiges Warnsignal: Wer sich bei großer Hitze heiß anfühlt, aber aufhört zu schwitzen, benötigt umgehend medizinische Hilfe. Ein Hitzschlag ist immer ein medizinischer Notfall und kann lebensbedrohlich werden.
Das Übergangsstadium: Hitzeerschöpfung
Zwischen Sonnenstich und Hitzschlag gibt es ein eigenes Krankheitsbild, das oft übersehen wird: die Hitzeerschöpfung. Sie entsteht durch den Verlust von Flüssigkeit und Salzen bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr. Anzeichen sind eine beginnende Dehydrierung sowie ein Anstieg der Körpertemperatur auf etwa 37 bis 40 Grad Celsius. Bewusstseinsstörungen treten dabei in der Regel noch nicht auf, wohl aber bereits Schwindel, Atemnot und Frösteln. Behandelt wird die Hitzeerschöpfung im Grunde wie ein Sonnenstich oder Hitzschlag.
Vorsicht: Symptome können zeitversetzt auftreten
Ein besonders tückischer Aspekt: Die Beschwerden treten häufig nicht sofort auf, sondern erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne. Wer sich also während eines Sonnenbads noch wohlfühlt, kann trotzdem bereits gefährdet sein. Hinzu kommt, dass sich ein anfänglicher Sonnenstich mit der Zeit durchaus zu einem Hitzschlag weiterentwickeln kann. Ein Hitzschlag muss zudem nicht unmittelbar nach der Hitzeeinwirkung auftreten — er kann sich über ein bis zwei Tage ankündigen, etwa durch Schwäche, Erbrechen oder Benommenheit. Eine Ausnahme bildet der sogenannte Anstrengungshitzschlag, der meist plötzlich und ohne Vorwarnung eintritt, etwa bei intensiver körperlicher Belastung in großer Hitze.
Erste Hilfe bei Sonnenstich
Auch wenn ein Sonnenstich grundsätzlich weniger gefährlich ist als ein Hitzschlag, sollte er ernst genommen werden und erfordert ebenfalls schnelles Handeln:
- Betroffene Person sofort aus der Sonne in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen.
- Kopf und Nacken leicht erhöht lagern und kühlen, etwa mit feuchten Tüchern.
- Ausreichend Flüssigkeit anbieten, sofern die Person bei vollem Bewusstsein ist.
- Verschlechtern sich die Beschwerden oder kommen Erbrechen, Fieber oder Bewusstseinsstörungen hinzu, sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
Erste Hilfe bei Hitzschlag — sofortiges Handeln ist entscheidend
Bei Verdacht auf einen Hitzschlag zählt jede Minute:
- Sofort den Notruf 112 wählen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.
- Die betroffene Person schnellstmöglich aus der Hitze in den Schatten oder an einen kühlen Ort bringen.
- Den gesamten Körper aktiv kühlen — etwa mit feuchten Tüchern, einem Ventilator oder Wasser.
- Vitalfunktionen wie Atmung und Puls fortlaufend überwachen.
- Verliert die Person das Bewusstsein, in die stabile Seitenlage bringen, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Was Betroffene in diesem Moment dringend benötigen, sind Infusionen und eine kontrollierte Kühlung durch medizinisches Fachpersonal — beides lässt sich vor Ort durch Laien nicht ersetzen, weshalb die professionelle Hilfe so wichtig ist.
Fazit: Im Zweifel lieber den Notruf wählen
Die Symptome von Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag ähneln sich in vielerlei Hinsicht, weshalb es für Laien oft schwierig ist, die Krankheitsbilder eindeutig zu unterscheiden. Während ein Sonnenstich meist mit Ruhe, Kühlung und ausreichend Flüssigkeit gut behandelbar ist, stellt ein Hitzschlag immer einen akuten, potenziell lebensbedrohlichen Notfall dar. Im Zweifelsfall — insbesondere bei Bewusstseinsstörungen, ausbleibendem Schwitzen trotz Hitzegefühl oder rasch zunehmenden Beschwerden — sollte daher ohne Zögern der Notruf 112 gewählt werden.
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