Der Reifenwechsel gehört zu den wenigen Wartungsarbeiten, die Autofahrer zweimal im Jahr zuverlässig einplanen müssen – und die viele trotzdem regelmäßig aufschieben. Wer den Termin bis zum ersten Schneefall liegen lässt, findet dann kaum noch freie Slots und zahlt im Zweifel drauf. Ein wenig Vorlauf spart Geld, Zeit und Nerven.
Der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel
Als Orientierung dient die bekannte Faustregel von Oktober bis Ostern. Sie ist rechtlich unverbindlich, deckt aber die Zeitspanne ab, in der in Deutschland realistisch mit Glätte zu rechnen ist. Fachlich sinnvoller ist die Sieben-Grad-Regel: Sobald die Tagesdurchschnittstemperatur dauerhaft unter etwa sieben Grad liegt, verliert die Sommermischung an Elastizität und damit an Haftung. In den meisten Regionen ist das ab Mitte Oktober der Fall, in Mittelgebirgslagen früher. Wer den Termin Ende September bucht, bekommt in der Regel noch Wunschzeiten und zahlt keine Saisonaufschläge.
Was die Werkstatt kostet
Sind bereits komplette Räder auf Felgen vorhanden, liegt der reine Umbau meist zwischen 25 und 60 Euro. Müssen Reifen von der Felge gezogen und neu aufgezogen werden, kommen Montage, Wuchten und Ventile hinzu; dann sind je nach Betrieb und Reifengröße 80 bis 160 Euro realistisch. Für die Einlagerung des ausgebauten Satzes verlangen Werkstätten pro Saison üblicherweise 30 bis 60 Euro. Freie Werkstätten und Reifenfachbetriebe sind meist günstiger als Vertragshändler, Onlineportale mit Terminvermittlung senken den Preis zusätzlich. Ein Preisvergleich lohnt sich, weil die Spannen innerhalb einer Stadt erheblich sind.
Selbst wechseln: was dafür nötig ist
Wer über einen Wagenheber, Unterstellböcke und vor allem einen Drehmomentschlüssel verfügt, kann die Arbeit in etwa einer Stunde erledigen. Wichtig ist die Reihenfolge: Radschrauben lösen, solange das Rad noch am Boden steht, dann anheben, wechseln, Schrauben über Kreuz handfest anziehen, absenken und erst danach mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festziehen. Die Herstellerangabe liegt bei den meisten Pkw zwischen 100 und 140 Newtonmetern und steht im Handbuch. Nach etwa 50 Kilometern sollten die Schrauben kontrolliert werden. Ohne Drehmomentschlüssel ist von der Eigenmontage abzuraten – zu fest angezogene Schrauben können ebenso gefährlich sein wie zu lose.
Vor der Montage prüfen
Ein kurzer Check erspart böse Überraschungen. Kontrolliert werden sollten Profiltiefe, Alter und äußerer Zustand. Gesetzlich sind 1,6 Millimeter Minimum, für den Winter werden mindestens vier Millimeter empfohlen. Das Herstellungsdatum verrät die vierstellige DOT-Nummer, deren letzte beiden Ziffern das Jahr angeben. Risse, Beulen oder eingefahrene Fremdkörper sind ein klares Aussortierkriterium. Und natürlich muss das Bergpiktogramm vorhanden sein, wie der Beitrag zum Alpine-Symbol erklärt.
Reifendruck und Laufrichtung nicht vergessen
Kalte Luft bedeutet niedrigeren Druck: Pro zehn Grad Temperaturabfall sinkt der Reifendruck um etwa 0,1 bar. Deshalb sollte der Druck direkt nach der Montage und dann monatlich geprüft werden, am besten bei kalten Reifen. Viele Hersteller erlauben einen Aufschlag von 0,2 bar gegenüber der Tabellenangabe. Laufrichtungsgebundene Reifen tragen einen Pfeil auf der Flanke, der in Fahrtrichtung zeigen muss. Fahrzeuge mit Reifendruckkontrollsystem benötigen nach dem Umbau häufig eine Neuanlernung, die in der Werkstatt wenige Minuten dauert.
Richtig einlagern
Sommerreifen überstehen die Pause am besten kühl, trocken und dunkel. Komplette Räder werden liegend gestapelt oder hängend gelagert, einzelne Reifen ohne Felge dagegen stehend und regelmäßig gedreht. Vor der Einlagerung lohnt eine Reinigung mit Wasser und Bürste, dazu eine Markierung der Position, damit die Räder in der nächsten Saison getauscht werden können. Wer keinen Platz hat, greift auf den Einlagerungsservice zurück. Warum Termin und Bereifung auch versicherungsrechtlich zählen, zeigt der Überblick zur Winterreifenpflicht.
Wenn der Termin doch zu spät kommt
Setzt der Winter früher ein als geplant und ist kein Werkstatttermin frei, gilt zunächst: Die Pflicht hängt an der Witterung, nicht am Kalender. Wer bei Glätte mit Sommerreifen fährt, riskiert Bußgeld, Punkt und Ärger mit der Versicherung – auch dann, wenn der Termin bereits gebucht ist. Praktikable Zwischenlösungen sind, das Auto an Glättetagen stehen zu lassen, auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen oder einen mobilen Reifenservice zu beauftragen, der die Montage vor der Haustür erledigt. Diese Anbieter sind teurer, dafür aber kurzfristig verfügbar. Reifenhändler mit angeschlossener Montage bieten in Stoßzeiten außerdem häufig Abendtermine an, die online seltener ausgebucht sind als die klassischen Vormittagsslots.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Reifenwechsel in der Werkstatt?
Mit vorhandenen Kompletträdern sind 20 bis 30 Minuten üblich. Muss neu aufgezogen und gewuchtet werden, sollten Sie eine Stunde einplanen.
Muss ich nach dem Wechsel etwas nachziehen?
Ja, nach rund 50 gefahrenen Kilometern sollten die Radschrauben mit dem korrekten Drehmoment kontrolliert werden.
Lohnt sich ein zweiter Satz Felgen?
In der Regel ja. Kompletträder senken die Wechselkosten pro Saison deutlich und schonen die Reifen, weil sie nicht jedes Mal von der Felge müssen.

