Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, ist für viele Arbeitnehmer eine Erleichterung. Doch was passiert, wenn der Arbeitgeber plötzlich das Gehalt kürzen möchte, weil die Arbeit nun nicht mehr im Büro, sondern von zu Hause aus erledigt wird? In den USA ist dies bereits Realität, aber gilt das auch in Deutschland? In diesem Artikel erklärt, was das deutsche Arbeitsrecht dazu sagt und wie Arbeitnehmer sich schützen können.
Darf mein Arbeitgeber mein Gehalt wegen Homeoffice-Arbeit kürzen?
In den USA erwarten einige Unternehmen, dass Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiten, weniger verdienen, da ihre Lebenshaltungskosten niedriger sein könnten. In Deutschland jedoch gibt es klare rechtliche Grenzen für diese Praxis. Arbeitgeber können das Gehalt nicht einseitig senken – es sei denn, der Arbeitnehmer stimmt zu oder es gibt gesetzlich zulässige Änderungen im Arbeitsvertrag.
Rechtsgrundlagen für die Gehaltszahlung
Der Arbeitsvertrag als Grundlage
Das Gehalt eines Arbeitnehmers wird durch seinen Arbeitsvertrag bestimmt. In diesem Vertrag wird die Höhe des Entgelts für die geleistete Arbeit festgelegt. Änderungen an diesem Vertrag können nicht einseitig vom Arbeitgeber vorgenommen werden, sondern erfordern eine gegenseitige Vereinbarung zwischen beiden Parteien.
Wann ist eine Gehaltskürzung zulässig?
Eine Gehaltskürzung kann nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen:
- Gegenseitige Vereinbarung: Der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber einigen sich auf das neue Gehalt.
- Kündigung des Vertrages mit Änderungen der Bedingungen: Der Arbeitgeber kündigt den bestehenden Vertrag und bietet eine neue Stelle zu geänderten Bedingungen an.
- Tarifverträge oder betriebliche Regelungen: In einigen Fällen können Tarifverträge oder betriebliche Vereinbarungen Änderungen zulassen.
Beschränkungen der Rechte des Arbeitgebers
- Schutz vor Kündigung und Gleichbehandlungsgrundsatz
Arbeitgeber dürfen das Gehalt nicht willkürlich ändern. Eine Gehaltskürzung speziell für Homeoffice-Arbeiter könnte gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen. Zudem sind Änderungen im Arbeitsvertrag nur zulässig, wenn ein schwerwiegender Grund vorliegt. - Diskriminierung
Wenn eine Gehaltskürzung nur bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern betrifft (z.B. Eltern oder Menschen mit Behinderungen, die häufiger von zu Hause arbeiten), könnte dies als Diskriminierung angesehen werden.
Wie sollten sich Arbeitnehmer verhalten?
Wenn Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt wegen der Arbeit im Homeoffice kürzen möchte, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:
- Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag: Gibt es eine Klausel, die Gehaltskürzungen ermöglicht?
- Zustimmung nicht voreilig geben: Sie müssen einer Gehaltskürzung nicht zustimmen.
- Rechtliche Beratung einholen: Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann Ihnen helfen, sich gegen unrechtmäßige Kürzungen zu wehren.
Arbeitgeber können das Gehalt nicht einfach senken, nur weil Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Arbeitnehmer sind durch das Arbeitsrecht gut geschützt und sollten keine voreiligen Entscheidungen treffen. Wer von einer Gehaltskürzung betroffen ist, sollte unbedingt rechtlichen Rat einholen, um seine Rechte zu wahren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Kann mein Arbeitgeber mein Gehalt automatisch senken, weil ich im Homeoffice arbeite?
In Deutschland ist eine automatische Gehaltskürzung ohne Zustimmung des Arbeitnehmers oder eine rechtmäßige Änderung des Arbeitsvertrags in der Regel nicht zulässig. Arbeitsrechtlich gesehen ist eine Gehaltskürzung nur im Falle einer gegenseitigen Vereinbarung oder einer rechtlich gerechtfertigten Änderung des Arbeitsverhältnisses möglich.
- Was kann ich tun, wenn mir eine Vertragsänderung mit schlechteren Bedingungen angeboten wird?
Wenn der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag ändert, haben Sie als Arbeitnehmer verschiedene Optionen, einschließlich der Möglichkeit, sich gegen die Änderung zu wehren und den Vertrag nicht zu akzeptieren. Rechtliche Beratung kann helfen, die besten Optionen zu erkennen.
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