An den globalen Finanzmärkten nimmt die Anspannung zu. Starke Kursschwankungen und wachsende Unsicherheit veranlassen Aufsichtsbehörden, Anleger vor erhöhten Risiken zu warnen. Besonders im Fokus stehen die Aktien der Technologiekonzerne Microsoft und SAP, die als mögliche erste Opfer einer größeren Marktkorrektur gelten. Marktteilnehmer verweisen zunehmend auf überzogene Bewertungen und die Gefahr, dass die KI-Euphorie in eine Blase münden könnte.
Die vergangene Woche war von hoher Volatilität geprägt. Zunächst gerieten die Papiere von Microsoft unter Druck, obwohl das Unternehmen solide Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Kurz darauf folgte ein drastischer Einbruch bei SAP: Innerhalb weniger Stunden verloren die Aktien rund 16 Prozent an Wert. Investoren reagierten nervös auf vorsichtigere Prognosen für das Cloud-Geschäft, obwohl der Konzern für 2025 einen Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro sowie ein Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Euro angekündigt hatte – Maßnahmen, die üblicherweise kursstützend wirken.
Die Unruhe erfasste auch die Rohstoffmärkte. Der Silberpreis brach in kurzer Zeit um fast 30 Prozent ein und fiel von etwa 115 auf rund 73 US-Dollar je Unze. Auch Gold verbilligte sich deutlich nach einem längeren Höhenflug: Von Niveaus über 5.500 US-Dollar rutschten die Notierungen unter 4.900 US-Dollar und gaben anschließend um weitere rund 350 Dollar nach. Der deutsche Leitindex DAX startete ebenfalls schwächer in die neue Woche und verlor etwa ein halbes Prozent.
Starke Verluste zeigten sich zudem bei digitalen Vermögenswerten. Bitcoin, der zuvor zeitweise nahe 125.000 US-Dollar notierte, fiel auf rund 76.000 Dollar zurück. Auch Ethereum und andere Kryptowährungen gerieten unter Druck, was die allgemein sinkende Risikobereitschaft der Anleger widerspiegelt.
Als Ursachen für die heftigen Marktbewegungen nennen Experten mehrere Faktoren. Im Fall von SAP bestehen Zweifel an der Tragfähigkeit des auf Cloud-Dienstleistungen ausgerichteten Geschäftsmodells. Der rasche Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz könnte den Wettbewerb verschärfen und bestehende Strukturen infrage stellen. Selbst das Management zeigte sich von der Marktreaktion überrascht. Vorstandsmitglied Dominik Asam erklärte, er habe nicht mit einem derart starken Einfluss auf den Aktienkurs gerechnet.
Zusätzliche Unsicherheit geht von der US-Politik aus. Die wechselhafte Zollpolitik und wiederholte Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank durch Donald Trump belasteten zuletzt das Vertrauen der Investoren. Diese Faktoren hatten die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold und Silber gestützt. Nachdem jedoch ein erneuter US-Haushaltsstillstand abgewendet und ein Kandidat für die künftige Führung der Federal Reserve benannt wurde, zogen viele Anleger Kapital aus Edelmetallen ab und nahmen Gewinne mit, was die Preise weiter drückte.
Auch die Aufsichtsbehörden schlagen Alarm. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sieht zahlreiche Risiken für Investoren. In ihrem aktuellen Risikobericht warnt sie davor, dass internationale Handelskonflikte, teils hohe Staatsverschuldung in Industrieländern und stark gestiegene Bewertungen – insbesondere im Technologiesektor – jederzeit eine deutliche Marktkorrektur auslösen könnten. Trotz scheinbar positiver Kursentwicklungen bleibe die Lage fragil und von erhöhter Volatilität geprägt.
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