Im Bundesland Brandenburg wurde ein neuer Ausbruch der Newcastle-Krankheit auf einer großen Geflügelfarm bestätigt. Der Infektionsherd befindet sich in Storkow im Landkreis Oder-Spree, wo etwa 360.000 Masthühner gehalten werden. Die Behörden teilten mit, dass gemäß den Vorschriften der Europäischen Union der gesamte Tierbestand des betroffenen Betriebs gekeult werden muss. Diese Maßnahme gilt als notwendig, um eine weitere Ausbreitung des hochansteckenden Virus zu verhindern. Gleichzeitig werden in der Region zusätzliche Einschränkungen eingeführt.
Erweiterung der Schutz- und Sperrzonen
Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr wurde die Schutzzone rund um den betroffenen Betrieb deutlich ausgeweitet. Die Maßnahmen betreffen nun nicht nur Storkow, sondern auch mehrere umliegende Ortschaften wie Alt-Stahnsdorf, Braunsdorf, Kolpin, Dahmsdorf und weitere Gemeinden. Innerhalb dieser Zonen sind Geflügelhalter verpflichtet, strengere Kontrollen durchzuführen und erhöhte Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Dazu gehört insbesondere die Einschränkung direkter Kontakte zu den Tieren sowie verstärkte Hygienemaßnahmen. Ziel ist es, die Infektionskette möglichst schnell zu unterbrechen.
Symptome und Besonderheiten der Newcastle-Krankheit
Die Newcastle-Krankheit zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten bei Geflügel. Experten zufolge kann das Virus mehr als 240 Vogelarten befallen, wobei Hühner und Puten besonders anfällig sind. Verursacht wird die Krankheit durch das aviäre Paramyxovirus Typ 1. Zu den typischen Symptomen gehören Atemprobleme, Augenentzündungen, Durchfall sowie neurologische Störungen wie Lähmungen und eine auffällige Kopfhaltung. In schweren Fällen kann der Tod innerhalb weniger Tage eintreten.
Impfung und Risiken trotz Schutzmaßnahmen
Obwohl in Deutschland seit den 1990er-Jahren eine Impfpflicht für Hühner und Puten besteht, bleibt ein Infektionsrisiko bestehen. Fachleute weisen darauf hin, dass insbesondere Jungtiere oft keinen ausreichenden Impfschutz entwickeln. Auch geimpfte Tiere können sich infizieren, zeigen jedoch in der Regel mildere Krankheitsverläufe. Dennoch schreibt das EU-Recht vor, dass bei einem Ausbruch der gesamte Bestand gekeult werden muss. Für den Menschen gilt das Virus als weitgehend ungefährlich und Infektionen sind äußerst selten.
Weitere Ausbrüche in der Region
Ein weiterer Infektionsfall wurde im benachbarten Landkreis Märkisch-Oderland festgestellt. Dort ist erstmals ein Betrieb in der Gemeinde Lindendorf betroffen, in dem rund 70.000 Tiere gehalten werden. Die Ursachen für die Ausbreitung des Virus werden derzeit untersucht. Behörden fordern alle Geflügelhalter auf, die bestehenden Hygiene- und Sicherheitsvorschriften strikt einzuhalten. Zudem sollen unnötige Kontakte mit den Tierbeständen vermieden werden.
Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle
Auch in anderen Regionen wie Dahme-Spreewald wurden neue Fälle gemeldet. In mehreren Betrieben mussten bereits hunderttausende Tiere gekeult werden, um die weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Veterinärbehörden überwachen die Situation kontinuierlich und verschärfen bei Bedarf die Maßnahmen. In betroffenen Gebieten wurden zusätzliche Überwachungszonen eingerichtet. Diese Maßnahmen gelten als entscheidend, um die Ausbreitung der Seuche einzudämmen.
Entsorgung infizierter Tiere und Verarbeitung
Die Entsorgung der betroffenen Tiere erfolgt durch das spezialisierte Unternehmen SecAnim. Die Tierkörper werden in luftdichten Containern zu Verarbeitungsanlagen transportiert, wo sie unter hohen Temperaturen und Druck sterilisiert werden. Anschließend werden die Materialien weiterverarbeitet, beispielsweise zu Biokraftstoffen oder industriellen Rohstoffen. Da es in Berlin und Brandenburg keine eigenen Anlagen gibt, erfolgt der Transport in andere Bundesländer. Diese Prozesse sind streng reguliert und dienen der sicheren Beseitigung biologischer Risiken.
Seltene, aber gefährliche Ausbrüche
Ausbrüche der Newcastle-Krankheit sind in Brandenburg vergleichsweise selten. Der letzte größere Fall vor den aktuellen Ereignissen wurde im Jahr 1996 registriert. Dennoch ist das Virus weltweit verbreitet und kann unterschiedliche Verlaufsformen zeigen. Während einige Vogelarten kaum Symptome entwickeln, verläuft die Krankheit bei Hühnern und Puten häufig tödlich. Daher bleibt die Seuche eine ernsthafte Bedrohung für die Geflügelwirtschaft.

