Die Pharmafirma R-Pharm Germany GmbH mit Sitz in Illertissen hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Der entsprechende Antrag wurde beim Amtsgericht Neu-Ulm gestellt. Als eine der Hauptursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten die Folgen des Krieges in der Ukraine sowie die damit verbundenen internationalen Sanktionen gegen Russland. Das Unternehmen zählt zu den ältesten Betrieben in Bayern und blickt auf eine 177-jährige Geschichte zurück. Seit dem Jahr 2014 gehört der deutsche Hersteller zur gleichnamigen russischen Pharmagruppe R-Pharm.
Gericht bestellt vorläufigen Insolvenzverwalter
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Markus Fröhlich bestellt. Er soll nun die wirtschaftliche Lage des Unternehmens prüfen und Möglichkeiten für eine Sanierung ausloten. Trotz des Insolvenzantrags wird der Betrieb vorerst in eingeschränkter Form weitergeführt. Nach Unternehmensangaben entwickelt, produziert und vertreibt R-Pharm Germany weiterhin Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel. Die Produkte des Unternehmens werden an Kunden in rund 150 Ländern geliefert.
Sanktionen belasteten das Geschäft massiv
Nach Einschätzung des vorläufigen Insolvenzverwalters hängen die finanziellen Probleme vor allem damit zusammen, dass das deutsche Unternehmen Teil eines russischen Konzerns ist. Durch die internationalen Sanktionen gegen Russland sei die Unsicherheit bei Kunden und Geschäftspartnern deutlich gestiegen. Dies habe die geschäftliche Entwicklung des Unternehmens spürbar beeinträchtigt. Hinzu kamen erhebliche Schwierigkeiten bei finanziellen Transaktionen. Besonders problematisch war, dass Geldüberweisungen aus Russland kaum noch verlässlich durchgeführt werden konnten.
Rund 300 Beschäftigte warten auf ihr Gehalt
Die angespannte Lage trifft auch die Belegschaft des Unternehmens. Nach Angaben von Markus Fröhlich haben rund 300 Mitarbeiter ihre Gehälter für die ersten Monate des Jahres 2026 bislang nicht erhalten. Diese Darstellung wurde auch vom regionalen IGBCE-Verantwortlichen Torsten Falke bestätigt. Er erklärte, dass sichere Geldtransfers aus Russland aufgrund der Sanktionen praktisch nicht mehr möglich gewesen seien. Die ausstehenden Lohnzahlungen haben die Krise im Unternehmen zusätzlich verschärft.
Hoffnung auf Sanierung bleibt bestehen
Trotz der schwierigen Ausgangslage sieht der Insolvenzverwalter weiterhin Chancen für eine Restrukturierung. Er verweist auf die langjährige Erfahrung des Unternehmens in der Entwicklung wirksamer Arzneimittel. Zudem verfüge R-Pharm Germany über moderne Produktionsanlagen und ein qualifiziertes Team. Auch die gute Stellung in der Branche und die internationale Kundschaft sprechen aus seiner Sicht für bestehendes Potenzial. Dennoch sei klar, dass die Lage kompliziert bleibt und eine stabile Lösung nicht einfach zu erreichen sein wird.
Investorensuche soll sofort beginnen
Derzeit analysieren Markus Fröhlich und sein Team die finanzielle Situation des Unternehmens im Detail. Nach einer ersten Prüfung sieht der vorläufige Insolvenzverwalter grundsätzlich Möglichkeiten für eine Fortführung. Eine nachhaltige Perspektive sei jedoch voraussichtlich nur mit einem neuen Investor realistisch. Deshalb soll nun kurzfristig ein strukturierter Investorenprozess gestartet werden. Nach bisherigen Informationen haben bereits mehrere Interessenten ihre Bereitschaft signalisiert, sich mit dem Unternehmen zu befassen.
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