Das Bürgergeld in Deutschland soll künftig durch eine neue Form der Grundsicherung ersetzt werden. Am 5. März 2026 hat der Bundestag einen entsprechenden Gesetzentwurf der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD verabschiedet. Die Reform soll schrittweise ab Juli 2026 in Kraft treten. Ziel der Änderungen ist es, die Anforderungen an Leistungsbezieher zu erhöhen und sie stärker zur Aufnahme einer Arbeit zu motivieren. Von den neuen Regeln werden Millionen Menschen betroffen sein, die derzeit staatliche Unterstützung erhalten.
Bundestag stimmt für Reform der Sozialleistungen
Die Entscheidung fiel nach mehreren Monaten politischer Debatten. Bei der namentlichen Abstimmung votierten 321 Abgeordnete für das Gesetz, 268 stimmten dagegen, zwei enthielten sich. Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD unterstützten die Reform. Vertreter der Opposition lehnten die geplanten Änderungen hingegen deutlich ab und äußerten scharfe Kritik.
Mit Inkrafttreten des Gesetzes wird der Begriff Bürgergeld aus dem offiziellen System der Sozialleistungen verschwinden. Stattdessen soll eine neue Form der Grundsicherung eingeführt werden. Die Reform betrifft rund 5,5 Millionen Menschen, die derzeit staatliche Unterstützung beziehen. Die Regierung plant, die Änderungen ab dem 1. Juli 2026 schrittweise umzusetzen.
Strengere Anforderungen für Leistungsbezieher
Ein zentraler Bestandteil der Reform ist die Verschärfung der Mitwirkungspflichten gegenüber den Jobcentern. Personen, die staatliche Unterstützung erhalten, müssen künftig aktiver an der Arbeitssuche teilnehmen und stärker mit den Arbeitsagenturen kooperieren. Bei Verstößen gegen diese Pflichten sind strengere Sanktionen vorgesehen.
So können Leistungen gekürzt oder vollständig gestrichen werden, wenn Termine beim Jobcenter wiederholt versäumt werden oder zumutbare Arbeitsangebote ohne triftigen Grund abgelehnt werden. Zudem soll das Prinzip der sogenannten Vorrangvermittlung wieder stärker gelten. Das bedeutet, dass Arbeitsuchende zunächst eine angebotene Stelle annehmen sollen – auch wenn sie schlechter bezahlt ist – bevor andere Maßnahmen wie Weiterbildungen greifen.
Argumente der Befürworter der Reform
Vertreter der Regierungskoalition sind überzeugt, dass die Reform zu einer höheren Beschäftigungsquote führen kann. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann erklärte, dass mit der neuen Regelung das Prinzip „Fördern und Fordern“ wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Dadurch solle erreicht werden, dass Menschen schneller eine Arbeit aufnehmen, anstatt langfristig von staatlichen Leistungen abhängig zu bleiben.
Der SPD-Politiker Jens Peick betonte, dass sich für diejenigen, die aktiv mit den Jobcentern zusammenarbeiten, kaum etwas ändern werde. Der Staat werde weiterhin Menschen unterstützen, die Hilfe benötigen, erwarte jedoch gleichzeitig Engagement bei der Arbeitssuche. Auch seine Parteikollegin Daniela Rump erklärte, dass Unterstützung und Eigenverantwortung zusammengehören.
Kritik von Opposition und Sozialverbänden
Oppositionsparteien sowie verschiedene gesellschaftliche Organisationen haben die Reform deutlich kritisiert. Vertreter der Partei Alternative für Deutschland argumentieren, dass die Änderungen kaum zu spürbaren Einsparungen für den Staat führen werden. Ihrer Ansicht nach sei das neue System zu kompliziert und werde zusätzliche Bürokratie verursachen.
Auch Politiker der Grünen und der Linkspartei äußerten Bedenken. Der Abgeordnete Timon Dzienus warf der Regierungskoalition vor, sozial schwache Menschen zu stigmatisieren und „unmenschliche Sanktionen“ einzuführen. Der Vorsitzende der Linksfraktion, Sören Pellmann, erklärte, dass Sanktionen keine stabile Beschäftigung schaffen würden. Seiner Meinung nach setze die Politik in diesem Fall eher auf Druck als auf Vertrauen.
Welche Veränderungen ab Juli 2026 erwartet werden
Trotz der Kritik hat der Bundestag der Reform bereits zugestimmt, sodass ihre Umsetzung in den kommenden Monaten vorbereitet wird. Das Gesetz muss noch den Bundesrat passieren, dessen Zustimmung jedoch nicht zwingend erforderlich ist. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass die neue Regelung wie geplant im Sommer 2026 in Kraft tritt.
Die Bundesregierung erhofft sich von der Reform eine stärkere Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig soll die Zahl der Menschen reduziert werden, die langfristig auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Dennoch bleibt die Reform politisch umstritten, da ihre Auswirkungen auf Millionen Leistungsbezieher weiterhin intensiv diskutiert werden.
TVöD 2026: Gehälter steigen ab 1. Mai um 2,8% – aber netto könnte am Ende weniger ankommen

