Berlin. Eine Impfung gegen Gürtelrose schützt nicht nur vor der Erkrankung selbst, sondern kann auch Prozesse des biologischen Alterns positiv beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle US-amerikanische Studie, die zeigt, dass bei geimpften älteren Menschen günstigere Marker des biologischen Alterns festgestellt wurden als bei nicht geimpften Personen.
Die Untersuchung wurde von Forschenden der Leonard Davis School of Gerontology an der University of Southern California durchgeführt. Ziel war es zu analysieren, ob eine Impfung gegen Gürtelrose mit messbaren Veränderungen des biologischen Alterns in der älteren US-Bevölkerung verbunden ist. Grundlage bildeten Daten der Health and Retirement Study, einer landesweiten Langzeitstudie mit repräsentativer Stichprobe älterer Menschen.
Für die Analyse wurden Gesundheitsdaten von 3.884 Personen im Alter von 70 Jahren und älter ausgewertet. Für alle Teilnehmenden lagen Informationen zum Impfstatus, Blutproben sowie weitere medizinische Angaben vor. Dadurch konnten altersrelevante biologische Prozesse detailliert verglichen werden.
Sieben zentrale Bereiche des biologischen Alterns
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten sieben wesentliche Dimensionen des biologischen Alterns. Dazu gehörten chronische Entzündungsprozesse, die Funktion des angeborenen und adaptiven Immunsystems, die Herz-Kreislauf-Gesundheit, Anzeichen neurodegenerativer Veränderungen sowie epigenetische und transkriptomische Marker, die Aufschluss über die Aktivität von Genen und Zellen geben.
Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Personen. Bei den Geimpften verlief das Altern auf zellulärer Ebene langsamer, Entzündungswerte waren niedriger und das Immunsystem arbeitete insgesamt effizienter. Diese Effekte blieben auch nach Anpassung an Alter, Geschlecht, sozioökonomische Faktoren und Vorerkrankungen bestehen.
Stärkster Effekt in den ersten Jahren nach der Impfung
Laut dem Erstautor der Studie, Chon Ki Kim, könnte die Impfung das sogenannte Hintergrund-Entzündungsgeschehen reduzieren, möglicherweise indem sie eine erneute Aktivierung des Gürtelrose-Virus verhindert. Besonders ausgeprägt waren die positiven Effekte in den ersten drei Jahren nach der Impfung. Dennoch ließen sich auch bei Personen, die bereits vier Jahre oder länger geimpft waren, weiterhin Anzeichen eines verlangsamten biologischen Alterns feststellen.
Die Forschenden betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und daher keine direkten kausalen Schlüsse gezogen werden können. Weitere Studien seien notwendig, um die biologischen Mechanismen genauer zu verstehen und die Ergebnisse in anderen Bevölkerungsgruppen zu überprüfen.
Bedeutung für gesundes Altern im höheren Lebensalter
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Impfungen gegen Gürtelrose über den reinen Infektionsschutz hinaus eine Rolle für gesundes Altern spielen könnten. Sie könnten zentrale Alterungsprozesse beeinflussen und als ergänzender Baustein in Präventionsstrategien für ein längeres, gesünderes Leben dienen.
Die Studie mit dem Titel „Association Between Herpes Zoster Vaccination and Slower Biological Aging: Evidence From a U.S. Population-Based Cohort Study“ wurde im Januar 2026 in der Fachzeitschrift The Journals of Gerontology Series A veröffentlicht und vom National Institute on Aging unterstützt.
Mehr lesen: Massiver Stromausfall in Stuttgart

