In Berlin könnte es in den kommenden Wochen erneut zu Arbeitsniederlegungen im Nahverkehr kommen. Bei der BVG und bei der Deutschen Bahn laufen neue Tarifrunden, die traditionell angespannt verlaufen. Gewerkschaften fordern mehr Geld, mehr Urlaub und Änderungen bei Arbeitszeiten und Schichtplänen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Auseinandersetzungen wieder auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden. Schon vor einem Jahr hatte es bei der BVG die Warnung gegeben, dass auch 2026 erneute Ausfälle im Bus- und Bahnverkehr möglich sind.
Kaum ist die Aufregung um den großflächigen Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf abgeklungen, droht der nächste Einschnitt in den Berliner Alltag. 2026 zeichnet sich als Jahr vieler Konflikte im öffentlichen Dienst ab. Diese Woche startete bereits mit Warnstreiks in Berliner Theatern, zudem sind Arbeitsniederlegungen in Krankenhäusern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) angekündigt. Auch Kitas, Schulen, Behörden sowie weitere Bereiche des öffentlichen Sektors stehen im Fokus von Protestaktionen. Mitten in diese Lage hinein beginnen nun neue Gespräche zwischen Verdi und der BVG. Für viele Berlinerinnen und Berliner bedeutet das vor allem Unsicherheit bei der täglichen Mobilität.
Hintergrund ist ein bereits 2025 eskalierter Tarifstreit, der von Januar bis März durch mehrere Warnstreiks geprägt war. Damals kam es zu fünf Aktionen, insgesamt standen Busse, Straßenbahnen und U-Bahn an acht Tagen still. Am Ende wurde die Blockade erst durch ein Schlichtungsverfahren aufgelöst, nachdem die Verhandlungen zuvor festgefahren waren. Verdi erreichte anschließend eine Erhöhung um 750 Euro pro Monat für rund 16.600 BVG-Beschäftigte. Zusätzlich wurden für bestimmte Berufsgruppen höhere Zuschläge für Schichtarbeit vereinbart, was das Unternehmen jährlich spürbar belastet.
In der aktuellen Runde geht es laut Gewerkschaftsangaben nicht nur um Geld, sondern besonders um Freizeit und Arbeitsorganisation. Verdi fordert demnach 33 Urlaubstage für alle Beschäftigten der BVG, außerdem eine zusätzliche Zahlung von 500 Euro als Urlaubsgeld. Ebenfalls diskutiert werden neue Schichtmodelle, klarere Pausenregelungen und Anpassungen bei der Arbeitszeit. Aus Gewerkschaftskreisen heißt es, Streiks seien während Tarifverhandlungen grundsätzlich nie ausgeschlossen. Genau diese Möglichkeit sorgt dafür, dass sich viele Fahrgäste erneut auf kurzfristige Ausfälle einstellen.
Parallel dazu laufen auch bei der Bahn neue Tarifgespräche, wodurch diesmal nicht einmal die S-Bahn als Ausweichoption sicher wäre. Der Lokführergewerkschaft GDL kommt dabei eine zentrale Rolle zu, nachdem ihr früherer Vorsitzender Claus Weselsky als besonders streikfreudig galt. Der neue GDL-Chef Mario Reiß wird als ruhiger beschrieben, formuliert aber ebenfalls klare Forderungen. Er strebt unter anderem eine Lohnerhöhung von acht Prozent sowie höhere Zulagen für Schichtarbeit für GDL-Mitglieder an. Bis Ende Februar soll eine Lösung erreicht werden, und bis dahin sollen aufgrund einer Friedenspflicht keine Streiks stattfinden. Sollte es jedoch keine Einigung geben, stellt auch die neue Gewerkschaftsführung Arbeitskämpfe ausdrücklich in den Raum.
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